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30.01.99    Dies war mein erster, richtiger Motorradurlaub und auch der erste Versuch eines Reisetagebuchs. Ich habe den Text zwar etwas überarbeitet (ich konnte ja nicht alle Bilder einscannen !) und neu formatiert, die Grundlage jedoch ist der Text den ich 1993 geschrieben habe.


1.Tag 21.07.1993

Abfahrt 10.00 Uhr Richtung Travemünde Tachostand 28.786 km

Kurz vor der Abfahrt mußte es natürlich anfangen zu regnen, also rein in die Kombis und ab .....

Abfahrt

1.Rast- und Tankpause an der Autobahnraststätte in Reiskirchen (235 km) und obwohl es fast so aussieht als hätten wir das schönste Wetter, mußten wir doch die Kombis anbehalten, da es dauernd kürzere Regenschauer gab. Bei der 2. Rast- und Tankpause an der AutobahnraststätteSeesen (450km ) unser erstes, kleines Mißgeschick. Guido's Motorrad fiel an der Zapfsäule um doch es ist nichts schlimmes passiert, nur sein Spiegel ist abgefallen. Guido war's zwar etwas peinlich, aber mir sollte das noch zweimal passieren!!!

18.00 Uhr: Endlich sind wir auf unserem Campingplatz in Ivendorf angekommen. Insgesamt waren es an diesem Tag 768 km, und nachdem wir das Zelt zum ersten Mal aufgebaut und uns einigermaßen "eingerichtet" hatten, gab es erst einmal eine kleine Stärkung.
Übrigens, unsere Kombis haben wir erst am letzten Tankstop ausgezogen. Gegen Abend kam sogar die Sonne raus, was uns in Skandinavien auch oft passiert ist; über Tag Regen und gegen Abend trocken und manchmal auch Sonne.

 

2.Tag 21.07.1993

Da wir eigentlich zwei Tage für die Fahrt nach Travemünde geplant hatten, konnten wir uns heute mal in aller Ruhe Travemünde ansehen. Doch zuerst mußten wir unsere Tickets nach Trelleborg kaufen.
Entlang des Hafen's von Travemünde ging es zum Timmendorfer Strand, als Hintergrund das Luxushotel Maritim. Guido genoß den Ausblick auf Wasser, Wellen und große Schiffe. Seine eher küstenorientierte Abstammung kann er einfach nicht verbergen.
Wieder zurück auf den Campingplatz. Ruhe und Stärkung nach diesem Tag, denn Besichtigungen und laufen mit kompletter Motorradmontur ist ganz schön anstrengend. Auch heute hat es im Laufe des Tages ein paar Mal geregnet.

3.Tag 23.07.1993  

 

Um 9.30 Uhr geht's endlich ab in Richtung Schweden. Guido ist voll in seinem Element. Die einzige Sorge die wir haben ist, wie bringen die Leute vom Schiff unsere Motorräder unter. Aber auch das ist kein Problem, einfach auf den Seitenständer, festgebunden und fertig. Naja, hoffentlich hält's....

Der Hafen von Travemünde, links das Segelschiff Passat, das wir auf dem Rückweg noch besichtigten.

Während der Überfahrt geniest Guido wieder die Aussicht auf die Ostsee. Das Wetter war eigentlich gut und wir hofften daß es auch so bleiben würde.
Ankunft um ca. 17.00 Uhr in Trelleborg. Endlich konnte unsere eigentliche "Tour" beginnen. Doch zunächst stellte sich die Frage: "Wohin überhaupt ?" Also gut, Karte raus, gekuckt und ab Richtung Brösarp.

Nach einer Weltklasseleistung von 70km, unser erster Campingplatz in Brösarp. Und wieder unsere Lieblingsbeschäftigung, Guido baut das Zelt auf und ich muß die Luftmatratzen aufblasen, ohne Blasebalg versteht sich.

 

4.Tag 24.07.1993

Am frühen Morgen wird wieder alles zusammengepackt; heute geht es nach Vänersborg. Auf dem Weg fanden wir einen wunderschönen Rastplatz hinter einer Tankstelle; natürlich hatten wir wieder den ganzen Tag unsere Regenkombis an.

 

Typische Straßenverhältnisse in Schweden sind lange Geraden und fast kein Verkehr. Alle Fahrzeuge die langsam fuhren sind rechts ran gefahren damit wir überholen konnten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt in Schweden zwischen 80 - 110 km/h.
Nach 443 km haben wir endlich unser Tagesziel erreicht, den Campingplatz Ursand in Vänersborg
             

Unsere Laune war immer noch gut, und bei einer Flasche Bacardi kann man viel und lange miteinander erzählen. Der Campingplatz liegt direkt am Vänern-See.

 

5.Tag 25.07.1993

Heute haben wir uns vorgenommen bis Brunkeberg zu fahren.Doch zunächst ging es nach Strömstad
Wir überlegten lange, ob wir überhaupt mit der Fähre fahren sollten. Sie war recht teuer, doch sie verkürzte unseren Weg beträchtlich. Also fuhren wir mit und wie könnte es auch anders sein, Guido, Wasser, Wellen und ne' Fähre.

Die Fähre brachte uns von Strömstad (Schweden) nach Sandelfjord (Norwegen). Die Norweger auf diesem Schiff waren eigentlich nur wegen des Duty-free-shops an Bord. Sobald der Laden öffnete, fielen die Norweger wie die Wilden über die Regale mit Schnaps her. Auch wir waren natürlich drin. Aber wir haben nichts gekauft, was uns später sehr ärgerte.

Der Weg zu unserem nächsten Zeltplatz führte uns durch Berge, entlang vieler kleiner und größerer Seen.

Nach einer kurzen Schotterpiste kamen wir dann zum kleinsten Campingplatz unserer Reise in Brunkeberg. Kein Luxus, aber es war alles da was man braucht. Außerdem war er der Billigste.

Zum ersten Mal gab es unser kulinarisches spezial Essen: Spaghetti und Tomatensauce, im eigen Topf gekocht....mmh einfach lecker (Harry Weinfurt).

Heute sind wir nur 278 km gefahren. Allerdings saßen wir auch 3 Stunden auf der Fähre.

6.Tag 26.07.1993

Wenn ich gewußt hätte, was heute auf uns zukommt, wäre ich wahrscheinlich erst gar nicht aufgestanden. Dabei fing alles so gut an. 
Nachdem das ganze Gepäck verstaut war, machten wir uns auf den Weg nach Bergen. Wir fuhren durch ein Gebirge das man bestimmt als die norwegischen Alpen bezeichnen kann. Zum ersten Mal sahen wir entlang der Strecke "Schnee". Bei etwas sonnigerem Wetter wäre diese Etappe einer der Besten geworden. Doch es sollte noch viel "schöner" werden.

Wir waren ganz begeistert von der Landschaft und hielten alle paar Kilometer an um die Aussicht zu genießen.

Doch dann kam der große Regen. Er hörte nicht mehr auf bis wir in Bergen angekommen waren. Meine angeblich 100% wasserdichten Stiefel hatten es sich anders überlegt und auch die Handschuhe waren nicht mehr ganz "dicht".

An der Anlegestelle Kinsarvik wollten wir mit der Fähre nach Kvanndal übersetzen, doch die letzte Fähre hatte gerade abgelegt und die nächste fuhr erst in 2 Stunden. Also fuhren wir weiter nach Brimnes. Von dort aus ging es per Schiff nach Bruravik

Als wir dann endlich Bergen erreichten war ich sehr erleichtert da wir uns eine Hütte mieten wollten, um uns und unsere Sachen zu trocknen.

An einer Tankstelle war ich so erschöpft, daß ich das Motorrad nicht mehr halten konnte und mit dem ganzen Gepäck umgefallen bin. Passiert ist zum Glück nichts. Aber der Tag war ja noch nicht zu Ende.

Die ersten Campingplätze waren komplett belegt oder sehr miserabel. Dann wollten wir in eine Art Motel, daß uns aber zu teuer war und wir fuhren und wir suchten, bis ich fast verrückt wurde. Wir kehrten wieder um und fanden nach 80 km endlich einen Zeltplatz. Die Hütten waren natürlich schon alle belegt, da wir zu spät waren.

An diesem Tag sind wir alles in allem 448 km gefahren.

7.Tag 27.07.1993

Dieser Tag hat alle Widrigkeiten die uns bisher widerfahren aufgehoben, obwohl er eigentlich nicht schlechter hätte beginnen können.

In der Nacht hatte es stark geregnet. Da das Zelt etwas am Hang lag sind wir in der Nacht nach unten gegen die Zeltplane gerutscht. Die Folge war, daß unsere Schlafsäcke und Luftmatratzen am Fußteil platschnaß waren. Also legten wir alle nasse Sachen zum Trocknen nach draußen. Während des Frühstücks zog sich der Himmel wieder zu und wir mußten uns beeilen die Sachen noch einigermaßen trocken zu verpacken. Stark demotiviert zogen wir wieder die Kombis über und fuhren im strömenden Regen Richtung Dagali

Wir fuhren teilweise die Strecke des Vortages, doch das Wetter war sehr viel besser. Also schon ein guter Anfang.

Auf der Fähre von Bruravik nach Brimnes konnten wir an diesem Tag die Aussicht ohne Helm und kompletter Montur genießen.

Beim ersten Tankstopp nach der Fähre wollten wir sogar die Kombis ausziehen, ließen sie aber sicherheitshalber an.

Jetzt ging es wieder steil bergauf und die Sonne schien manchmal länger als 2 Minuten am Stück (für unser Empfinden fast schon Sommer). An einem Wasserfall, wo scheinbar alle Wolken Skandinaviens entstehen, machten wir eine kurze Rast.

Die Schlucht des Wasserfall's war bestimmt 300 Meter tief; ein imposantes Naturschauspiel. Sicherheitsvorkehrungen waren fast keine vorhanden. Nur ein Warnschild und ein kleines Geländer schützten die Besucher. 

All diese bisherigen Eindrücke schlugen uns kräftig auf den Magen. Eigentlich wollte ich ja einen Hamburger essen, doch angesichts des Preises von 10 DM aßen wir lieber unsere gute, Kuseler Leberwurst auf norwegischem Knäcke. 
Die folgenden Landschaftsbilder kann man als norwegische Highlands bezeichnen.Überall Krüppelbäume, Schnee usw. Wir machten fast alle paar hundert Meter halt, weil wieder ein tolles Motiv vor unseren Augen lag.

Sogar die Sonne schien, doch es war zu kalt um die Kombis auszuziehen.

Worauf wir schon die ganze Zeit warteten, das obligatorische Schneebild. Darf ich vorstellen:

Stephan im Schnee !!

Nun zu unserer abenteuerlichsten Unterkunft dieser Tour. Wir waren natürlich mal wieder sehr spät und alle Hütten waren besetzt. Außer auf einem sehr abgelegenen "Hütterplatz". Ein total betrunkener Finne deutete gestenreich an daß wir uns einfach eine Hütte aussuchen sollten. Der Besitzer käme eh' abendsvorbei um die Gäste abzukassieren.

Wir suchten uns dann einfach eine Hütte aus, sie kostete umgerechnet nur 20 DM, zogen uns um und aßen erst einmal etwas. Danach wollten wir eigentlich duschen gehen, doch ein deutscher Gast erklärte uns daß es zurzeit nur eiskaltes Wasser direkt aus dem Fluß gab da der Installateur nicht fertig wurde und nun im Urlaub sei. Toll!!! Also keine Dusche und die Plumpsklos sahen auch nicht sehr einladend aus.

Unsere Nachbarn, vier grimmig aussehende, in grüne Tarnanzüge gekleidete norwegische Hobbyfischer mit Messern die man eigentlich eher als Schwerter bezeichnen würde, wirkten auf Guido nicht sehr Vertrauen erweckend. Er schloß deshalb sicherheitshalber die Tür über Nacht zu. Am Morgen jedoch sahen sie eigentlich ganz friedlich aus.

Unsere Tagesetappe war heute 281 km lang, plus Fähre.

8.Tag 28.07.1993

Unser heutiges Tagesziel war Halden, die letzte Station in Norwegen. Doch zunächst ging es von Dagali Richtung Horten.

Wieder ging es per Fähre weiter, über das Oslofjord nach Moos.

Unser Campingplatz war heute Fredriksten Camping in Halden, er lag innerhalb einer alten Burganlage.

Heute hatten wir endlich mal etwas Glück mit dem Wetter. Wir fuhren den ganzen Tag ohne Kombis :-))

Wir trafen hier ein älteres Rentnerpaar die schon seit vielen Jahren jedes Jahr nach Norwegen fahren. Von ihnen bekamen wir viele Informationen, die wir eigentlich vor unserer Reise gebraucht hätten. Zum Schluß schenkten Sie uns noch vier Dosen bayrisches Bier und Leberwurst, was wie Balsam für unsere trockenen Kehlen war.

Wir legten heute insgesamt 283 km zurück

9.Tag 29.07.1993

Nach einem wirklich schönen gestrigen Tag ging es rein wettertechnisch heute genau so weiter, nämlich trocken!

Wir verließen heute Norwegen und fuhren Richtung Lidköping in Schweden. Unsere Geld wurde auch langsam knapp, also gingen wir inLidköping zu einer Bank und hofften natürlich daß wir für unsere Schecks auch Bargeld bekommen würden. Probleme gab es zum Glück keine, Euro -und Travellercheques nahmen sie ohne weiteres an.

Nach einem kurzen Stadtbummel ging es dann gleich weiter zu einem Campingplatz in Karlsborg. Der Campingplatz lag sehr schön, direkt am Vättern See. Er war recht teuer und eher auf Wohnwagengespanne ausgelegt. Also ein kleines Minus.

Die Länge der Tagesetappe betrug heute 318 km.

10.Tag 30.07.1993

Der schlechte Wetter hatte uns wieder eingeholt. Bei leichtem Nieselregen mußten wir in Karlsborg alles zusammen packen und machten uns auf den Weg über Nyköping und Linköping entlang der Ostsee nach Oskarshamn.

Halt machten wir eigentich nur zur Pinkelpause, was mit Kombi gar nicht so einfach ist. Doch durch unsere große Regenfahrtenerfahrung hatten wir schon einige Übung darin.

100 km vor unserem Tagesziel hat uns dann der Regen wieder so richtig erwischt. Bei Dauerregen kamen wir dann in Oskarshamn an, mieteten uns eine recht komfortable Hütte und hatten nun Zeit zur inneren und äußeren Pflege. Sogar eine Sauna gab es die man kostenlos benutzen durfte. Allerdings mußte man, wie fast überall, für warmes Wasser extra zahlen.

Es war eigentlich alles naß, bis auf die Sachen in den Koffern. Zelt und Kombis hingen draußen und auf jedem Heizkörper irgendwelche Anziehsachen.

Der "Hütterplatz" lag direkt an der Ostsee und das Tolle für Guido war, daß er hier, auf dem benachbarten Campingplatz, vor 20 Jahren mit seinen Eltern schon einmal war. Wir haben uns dann auch entschlossen für insgesamt drei Nächte hier zu bleiben.

Bis Oskarshamn waren es 363 km.

11. und 12. Tag 31.07-01.08.1993

Diese zwei Tage verbrachten wir mit dem Besuch von Oskarshamn, Spaziergängen ('halb-') rund um den Campinplatz, der direkt an der Ostsee liegt, und entspannen auf der Terasse unserer Hütte mit unseren Nachbarn, einem Geschwader sehr anhänglicher Enten.

Und wieder die malerische Umgebung, mit ....... obligatorischer Ente, in diesem Fall sogar eine ganze Entenfamilie.

... Guido's träumerischer Blick aufs weite Meer; wo er wohl jetzt gerade hinschippert ?

Sogar ein mittelgroßer Zirkus befand sich in unmittelbarer Nähe unseres "Hütterplatzes". Leider sprachen die Elefanten nur schwedisch!!!

13.Tag 2.8.1993

Bei wirklich herrlichem Wetter ging es nun wirklich auf unsere letzte Etappe in Schweden.Entlang der Ostsee über Kalmar und Karlskrona ( Keine Werbung für irgendeine Biersorte ) nach Trelleborg.

 

Ab Ystad, als die Straße wirklich parallel zur See verlief, sahen wir auch noch viele Pferde, die Daniela bestimmt gefallen hätten.

In Trelleborg angekommen gingen wir gleich ins Büro der Fährgesellschaft. Wir entschieden uns für die Nachtfahrt, allerdings ohne Kabine. Ausgehungert wie wir wahren, gingen wir dann auf der Fähre direkt zum Captains-Buffet, schlugen uns richtig den Bauch voll und tranken nach 12 Tagen endlich mal wieder ein gezapftes Bier, das war ein Genuß!!

Zum Schlafen legten wir uns mit einem kleinen Bierproviant einfach unter einen Treppenaufgang.

An diesem Tag sind wir 398 km gefahren.

14.Tag 3.8.1993

Morgens um 6.00 Uhr kamen wir in Travemünde an. Da wir unter der Treppe geschlafen hatten waren wir ziemlich gerädert. Wir fuhren dann gleich zum Campingplatz in Ivendorf, auf dem wir ja schon vor unserer Abreise nach Schweden campiert hatten. Mittags um 12.00 Uhr sind wir dann mal aufgestanden und nach Travemünde gefahren. Nach einer Besichtigung des Segelschiffes Passat wieder zurück zum Zeltplatz, wo wir abends ordentlich unseren Abschied feierten.

15.Tag 4.8.1993

Morgens um 11.00 Uhr ging es dann los Richtung Heimat. In Travemünde sind wir in unseren ach so geliebten Kombis losgefahren, doch von Tankstelle zu Tankstelle mussten wir uns 'erleichtern' denn es wurde immer heißer.

Bei hochsommerlichen Temperaturen kam ich zu Hause in Etschberg an. Auch Daniela war froh, daß wir wieder endlich wieder zu Hause waren.

Der Rückweg bis Etschberg betrug 714 km.

 

Mein Kilometerstand war am Schluß 33.167 km. D.h. wir sind insgesamt 4381 km gefahren.

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