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1.Tag, Montag 17. Juli '95 ( 812 km )

Um 7.00 Uhr ging es los, über Mainz, Frankfurt, Hannover, Hamburg nach Puttgarten.

Etwa 100 km vor Puttgarten hat es uns, rein regentechnisch, so stark erwischt, daß wir eine Pause einlegen mußten, weil wir nur noch 30-40 km/h fahren konnten und die Sicht dementsprechend war.

Kaum hatten wir das Zelt zum ersten Mal aufgeschlagen ging ich erst mal zum Supermarkt um unseren Flüssigkeitshaushalt mit Flensburger Bier auszugleichen. Da sich noch zwei Motorradfahrer aus dem Kreis Weilheim (Oberbayern), Albert und Reinhold, zu uns gesellten, haben wir zu viert auf unsere bevorstehenden Touren angestoßen.

2.Tag, Dienstag 18. Juli '95 ( 283 km )

Da Reinhold und Albert teilweise in unsere Richtung fuhren, haben wir beschlossen zusammen zu fahren. Doch zunächst wollten wir noch auf der deutscher Seite tanken, also wieder über die Fehrmarnsund Brücke zurück zur nächsten Tankstelle. Auf dem Weg dorthin verlor Reinhold einen Teil seines Helmvisieres und es dauerte etwa eine 3/4 Stunde bis er es endlich gefunden hatte. An der Tankstelle suchte Giovanni (BMW Fahrer GS100) noch einer Mutter für seinen Kofferhalter, die er auf der Fahrt nach Puttgarten verloren hatte. Natürlich hatte niemand eine passende Schraube, doch vorübergehend tat es ein Stück Draht, bis er in Schweden die richtige Mutter fand. Nun sollte es eigentlich in Richtung Dänemark gehen, doch die Straße war so stark befahren, daß wir einfach nicht auf die richtige Straßenseite abbiegen konnten. Nach einer 1/4 Stunde warten an der Tankstellenausfahrt fuhren wir dann mit dem Verkehr und als sich eine Lücke auf der Gegenseite bot 180° Drehung und endlich ging es in die richtige Richtung. Zunächst ging es mit der ersten Fähre von Puttgarten nach Rødby, über die E47 zur Fähre von Helsingør nach Helsingborg. Etwa bei Kopenhagen hat es uns wieder sehr stark von oben befeuchtet, doch es sollte der letzte, richtig starke Regenschauer auf der ganzen Tour sein.

Gegen 18.00 Uhr kamen wir dann auf dem Campingplatz Solhälls in Ängelholm an.

Nachdem die Zelte standen, mußten wir zunächst etwas Festes zu uns nehmen, bevor die Versorgung flüssiger wurde.

3.Tag, Mittwoch 19. Juli '95 ( 390 km )

Das Wetter wurde immer besser, und bei ~25°C ging es über Halmstad, dort verabschiedeten wir uns von Reinhold und Albert, entlang amVättern-See nach Borensberg. Es war zwar recht windig, doch bei strahlendem Sonnenschein fiel das kaum ins Gewicht.

Der Campingplatz war sehr morastig, und wir machten zum ersten Mal Bekanntschaft mit schwedischen Mücken, allerdings stachen die noch nicht.

4.Tag, Donnerstag 20. Juli '95 ( 409 km )

Mein Geburtstag, es ging über ÖrebroAvesta (nicht Havesta) und Gävle nach Ljusne. Zur Feier des Tages gab es Grillsteacks und die erste 5 Liter Dose Karlsberg Ur Pils. Es waren zwar weniger Mücken, doch die stachen um so besser. Morgens regnete es zwar ein wenig, doch kurze Zeit später stieg das Thermometer wieder auf 26°C.

5.Tag, Freitag 21.Juli '95 ( 492 km )

Für unsere Verhältnisse sehr früh ging es um kurz nach 9.00 Uhr Richtung Umea . Bis dahin war das Wetter sommerlich heiß, danach zog sich der Himmel zu und es kühlte sich auf 16°C ab.

Nachdem wir uns mit schwedischen und norwegischen Kronen eingedeckt hatten, ging es zum Campingplatz Grönan bei Vindelns. Wir waren die einzigen Camper, auf dem schönen und leeren Campingplatz.

Anschließend gab es zu unserer inneren Stärkung den zweiten Teil der Grillsteaks und dazu wurden stärkere, alkoholhaltige Getränke gereicht.

6.Tag, Samstag 22.Juli '95 ( 308 km )

Bei trübem Wetter ging es über die E12, 365 und die 95 Richtung Norwegen. Bei 13°C zogen wir es vor im Zelt zu frühstücken.

Das Wetter war ziemlich trübe, doch die Größe und Leere dieses Landes, die gleichsam bedrückend und faszinierend war, hob alles wieder auf.

Anders wie bei uns werden die Straßen hier nicht Straßenseite für Straßenseite erneuert, sondern es wird der ganze Straßenbelag auf mehreren Kilometern einfach abgefräst. Uns war es egal, denn wir kamen in den Genuß zum ersten Mal auf einen längeren Schotterpiste zu fahren. Am Anfang war es etwas ungewohnt, aber nach einiger Zeit machte es richtig Laune.

Gegen Abend wurde es uns dann zu frisch und Giovanni packte seine allseits berühmt berüchtigten BW grünen Liebestöter aus. Anschließend noch die Regenkombis, und weiter ging's.

Später hinaus wurde es wieder heller am Himmel und die Sonne war wieder zu sehen, denn mittlerweile waren wir soweit nördlich, das es in der Nacht kaum noch dunkel wurde. Wir haben heute auch zum ersten Mal ein Rentier gesehen, natürlich mitten auf der Straße. Doch als der Foto bereit war, war es dem Rentier zu blöd und es verzog sich in den Wald. Pech gehabt !!!

Bei unserer letzten Pause an einem Naturrastplatz fiel uns auf, daß die dazugehörige Hütte offen und recht gemütlich war. Kurz entschlossen packten wir unseren Krempel aus und verbrachten die Nacht in dieser Hütte.

Wasser zum kochen holte ich mit dem Kanister direkt aus dem See, über den Giovanni sichtlich beeindruckt seinen Blick schweifen läßt.

7.Tag, Sonntag 23.Juli '95 ( 287 km )

Abfahrt war gegen 9:30 Uhr bei bedecktem Himmel und Wind. Teilweise sind wir nur 70 km/h gefahren, da uns der Wind teilweise in Böen ganz schön um die Ohren pfiff. Es ging über die 95 in Richtung Norwegen über den Polarkreis. Wir mußten noch einmal tanken, und da wir in diesem Moment gar nicht wußten wie weit es noch bis zum Polarkreis war, fragten wir an der Tankstelle nach. Der Tankwart sah uns etwas entgeistert an und erklärte es wären noch etwa 300m !!!???

Giovanni hatte irgendwo gelesen, wenn man an den Polarkreis pinkelt dies Glück bringen würde. Gesagt getan, Wasser marsch.

Kurz nach dem Polarkreis mußten wir wieder unsere Kombis anziehen da es dauernd kürzere und längere Regenschauer gab. Vor der schwedisch-norwegischen Grenze gab es gar keine Bäume mehr die uns vor dem Wind schützen konnten, deshalb waren wir erleichtert ins Gebirge nach Norwegen zu kommen, wo wenigstens die Berge etwas Schutz boten. Die Landschaft war plötzlich wie ausgewechselt. Für kurze Zeit konnten wir ein Paar Pässe fahren, leider nur bergab und immer noch bei Schauern.

Nach einem Tankstop in Fauske ging es von Bodø per Fähre nach Moskenes auf den Lofoten.

Die Mopeds wurden gleich recht stark vertäut, was schon darauf schließen ließ das daß keine ruhige Überfahrt werden sollte. Das Boot schaukelte um bestimmt 6-8m auf und ab und bei längerem rausgucken wurde es mir dann nach 4 Stunden doch flau im Magen. Ich schaute mir dann lieber ein Bild an, daß schaukelte wenigstens genau so wie ich.

Wir kamen mit dem gleichen Wetter an wie auf dem Festland. Allerdings war die Landschaft viel interessanter. Die Häuser sahen von weitem wie Spielzeughäuschen im Kontrast zu den Bergen aus.

Als wir zu den Mopeds kamen, viel uns auf daß zu den Seilen die am Anfang benutzt wurden, noch einige dazu gekommen sind. Auch kein Wunder bei diesem Seegang.

Wir begaben uns dann auf die Suche nach unserer ersten Hütte, da wir zwei Nächte auf den Lofoten bleiben wollten um uns zu erholen und natürlich um uns etwas umzusehen. Wir fanden nach längerem suchen ein 4 Zimmer Haus, indem wir ein Doppelzimmer mieteten. Hütten wie sonst üblich gab es hier nicht. Sie heißen hier Fischerhütten (Sjøhus oder Rorbu) und sind gleich mit Boot und sonstigen Angelsachen ausgestattet. Das Haus bestand aus einer eingerichteten Küche , Wohnzimmer, Dusche, WC und einem Waschraum mit Waschmaschine. Nachdem das Gepäck verstaut war gab es, nach einer heißen Dusche, Tortellini mit Rahmsauce à la Giovanni. Er hat allerdings soviel gekocht, daß es für den nächsten Tag auch noch reichte.

8.Tag, Montag 24.Juli '95

Giovanni hatte endlich mal eine richtige Bäckerei gefunden, frisches Brot und Kaffeestückchen besorgt und nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir es uns auf der Couch bequem gemacht. Danach ging es auf eine kleine Tour in die Umgebung. Das Wetter war einigermaßen O.K, es regnete nämlich nicht, aber die Landschaft ist wirklich Klasse. Überall liegen oder laufen Schafe auf den kleinen Straßen herum und sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, wie wahrscheinlich niemand auf dieser Inselgruppe. Alles läuft ruhig und ohne Hast ab. Eine wahre Erholung für mich, kein Trubel, keine Hektik.

Anschließend legten wir noch eine kleine Pistentour ein, ohne Gepäck macht das richtig Spaß, und die Wege wollten überhaupt nicht mehr aufhören.

 

Doch der Hunger trieb uns zurück ....

9.Tag, Dienstag 25.Juli '95 ( 330 km )

Um kurz nach 8.00 Uhr ging es schon los in Richtung Norden. Nachdem wir uns noch mit norwegischen Kronen versorgt hatten, ging es bei Regen weiter. Eigentlich wollten wir nach Nyksund, (ein verlassenes Dorf auf der UNESCO-Liste, daß wieder besiedelt werden soll) aber das viel buchstäblich ins Wasser. Also weiter in Richtung Bjerkvik. Wir mußten einmal Fähre fahren und einmal durch einen zu bezahlenden Tunnel. Ausweichmöglichkeiten gab es hier nicht, die Straßen führten direkt dorthin. Kurz vor Bjerkvik bogen wir links ab Richtung Grovfjord an einen Hütterplatz. Der Besitzer ist ein ehemaliger Schweitzer Hochseefischer, der durch seine norwegische Frau hierher verschlagen wurde. Die Zweimann Hütte mit Etagenbett, freier Dusche und Küche war mit 150 NKR die günstigste Hütte des ganzen Urlaubs. Auf dem Weg hierher jedoch hat es fast ständig geregnet, aber man gewöhnt sich ja an fast alles, wenn’s sein muß.

Die Hütte lag direkt an einem Fjord ( welch Wunder! ) und wer interessiert ist kann dort auch Hochseefischen gehen. Ein wirklich empfehlenswerter Campingplatz.

 

10.Tag, Mittwoch 26.Juli ‘95 ( 410 km )

Gegen Morgen regnete es recht stark und es war wie immer recht windig. Doch bei der Abfahrt um 11:30 Uhr ( ! ) war es nur noch stark bewölkt mit einzelnen, harmlosen Schauern. Später regnete es überhaupt nicht mehr, teilweise kam sogar die Sonne heraus. Es war heute eine richtig schöne Tour, an Fjorden vorbei und über kleinere Hochebenen.

Berauscht durch diese Eindrücke habe ich nach einer Zigarettenpause Tabak, Blättchen und mein Feuerzeug verloren, die ich auf einem Koffer liegen ließ.

Nach einer Tank- und Einkaufspause ( Kaviar aus der Tube !? ) ging es bis zur nächsten Zigarettenpause an einem Shop für samische Souvenirs. Wir schauten uns ein wenig um und ich beschloß beim nächsten Souvenirladen ein Fell für mein leidgeplagtes Hinterteil zu kaufen. Das war leider ein Fehler, denn nirgends wo wir noch hinkamen hatten sie solche kleinen Felle, bzw. waren die anderen Felle sau teuer. Wieder mal Pech gehabt !!

Weiter ging’s in Richtung Altleidet, wo wir gegen 19.00 Uhr ankamen. Die Hütte war zwar O.K. aber der Preis doch etwas hoch (280 NKR). Es gab ‘tolle’ Ravioli, die allerdings nur Giovanni gegessen hat, mir war der Appetit irgendwie vergangen.

Zumindest war die Aussicht gut, und morgen sollte es eigentlich bis zum Nordkap reichen !

 

11.Tag, Donnerstag 27.Juli ‘95 ( 310 km )

Das Wetter war mal wieder sehr durchwachsen. Um 8:30 Uhr ging es los in Richtung Nordkap. In Alta tauschten wir noch mal Geld, damit es uns am teueren Nordkap nicht ausgeht. Die E6 war wirklich eine tolle Strecke in diesem Teil des Landes. Wie sooft kamen wir wieder an einen Fjord. Zuvor hatten wir überlegt ob wir eine Abkürzung fahren, und dann per Fähre übersetzten sollten, doch da das Wetter mitspielte fuhren wir um den Fjord. Am Anfang des Fjords kann man direkt auf die andere Seite sehen, etwa 200-300m. Die ganze Fjordumfahrung betrug am Schluß satte 60km. Jedes mal als wir dachten jetzt müßte es doch wieder zurück gehen, kam noch eine Kurve und noch eine Kurve.

An der Küste entlang ging es nach Kåfjord zur Fähre nach Honningsvåg.

Das ganze Gebiet ist Rentierzuchtgebiet, und dementsprechend viele liefen überall herum. Einmal hatte sich eines auf die Straße gewagt, während der Rest der Herde neben den Leitplanken lief. Als es uns ( bzw. zuerst Giovanni ) sah, rannte es voller Panik weg, denn es konnte ja wegen der Leitplanken nicht zu seiner Herde. Wir machten also langsam und hielten sogar an. Plötzlich tauchte eine rote GS auf und fuhr ohne groß langsam zu machen vorbei. Das Rentier flüchtete voller Panik in den Straßengraben und den Hügel hinauf. Wir konnten jetzt zwar weiter fahren, doch das Tier tat mir schon irgendwie leid.

Als wir zum Fährplatz kamen war der GS Fahrer schon da und schaute sich um. Nachdem wir die Tickets hatten fuhren wir in unsere Spur und stellten die Mopeds ab. Die Fähre fuhr etwa eine halbe Stunde später. Als uns der andere Motorradfahrer sah, kam er gleich auf uns zu und stellte sich als Herbert aus Tuttlingen vor. Nach einem kurzen Gespräch beschlossen wir zusammen eine Hütte in der Nähe des Kaps zu suchen. Von einem Motorradfahrer, den wir in unserem Haus auf den Lofoten getroffen hatten, wußten wir daß etwa 15km vorm Kap noch ein Hütterplatz ist. Danach kam noch ein Africa Twin Fahrer (endlich noch ein gescheites Motorrad), der hatte sich jedoch einen Platz in der Jugendherberge in Honningsvåg reserviert. Auf den letzten 50km hatten wir so starken Gegenwind und Böen, daß wir auf gerader Straße in der Schräglage fuhren und aufrecht durch die Kurven kamen.

Nachdem wir unsere Hütte (13km bis zum Kap) bezogen hatten und Kaffee und etwas kleines gegessen hatten (leider viel zu wenig !!) ging es los zum Ziel unserer Reise. Ich glaube das waren die längsten und schwersten 13km meines Lebens. Eisregen, 5°C, Sichtweite bei Nebel etwa 10m und so starker Wind der ständig aus einer anderen Richtung kam. Einmal fuhr ich sogar in eine Linkskurve und mußte mich nach rechts legen. Echt abartig. Dann plötzlich tauchte das Kartenhäuschen auf, und nachdem jeder umgerechnet knapp 30,- DM bezahlt hatten, waren wir endlich da, das NORDKAP.

 

Aber wo war es, außer Nebel war nichts zu sehen. Wir tasteten uns schon fast weiter, bis wir zumindest mal am Ausstellungs- und Verkaufsgebäude waren. Selbst das Laufen war bei diesem Wind gar nicht so einfach. Die Brille hatte ich schon ausgezogen, die war so beschlagen daß ich sowieso nichts mehr sah und bei der Suppe war’s eh egal.

Zum Beweis, die Erdkugel am nördlichsten Punkt Europas. Leider ist er es nicht; der ist ein Paar Kilometer weiter. Ein englischer Geologe hatte sich vermessen. Doch nur dieser Punkt wird richtig vermarktet.

Der obere Teil des Gebäudes umfaßt den Souvenirshop und ein Restaurant. Nachdem wir unsere Postkarten gekauft hatten, machten wir uns auf einen kleinen Rundgang. Vorbei an verschieden Schaufenstern, die die Entdeckung und die touristische Entwicklung des Nordkap’s zeigten ging es zu einem Raum von dem man hinaus auf‘s Meer schauen könnte (wenn kein Nebel da wäre). Bei sehr passender Musik rauchten wir erst einmal eine und machten uns dann auf dem Weg ins 225° Kino. Das war wirklich super. Es wurden Aufnahmen des Kap’s aus dem Hubschrauber und dem Schiff gezeigt, die mit fünf Kameras aufgenommen wurden um diese räumliche Wirkung zu erzeugen.

Auf dem Rückweg, es regnete auch nicht mehr, klarte es plötzlich für kurze Zeit auf, und ich mußte sofort anhalten um wenigstens noch ein paar Eindrücke fotografisch festzuhalten. Weit und breit kein einziger Baum oder Busch zu sehen. Nur Gras und vermooste Steine.

Zurück in unsere Hütte sollte es eigentlich nach einer heißen Dusche etwas Warmes zu essen geben, da wir an diesem Tag so gut wie gar nichts gegessen hatten. Beides viel jedoch ins Wasser, bzw. in Gin und Baccardi. Nachdem uns Herbert ein Paar Stories aus seinem Leben erzählte und er sich dann voll auf die Lobpreisung seiner GS eingeschossen hatte, war es Zeit das Köpfchen abzulegen, denn mit Nichts im Magen kann der Schnaps fatale Folgen haben; und er hatte sie.

 

12.Tag, Freitag 28.Juli ‘95 ( 287 km )

Leicht verkatert und mit leichtem Schädelbrummen haben wir dann erst einmal gefrühstückt. Zum Glück hatte Herbert deutschen Kaffee dabei, unser norwegischer Kaffee war nämlich nicht zu genießen. Ab jetzt ging es nur noch Richtung Süden, grob Richtung Rom. Bei zwar teilweise starkem Nieselregen ging es zurück zur Fähre. Regenklamotten zogen wir aber nicht an, wir waren ja gleich an der Fähre. Wenn bloß dieser Wind nicht wäre. In Olderfjord tankten wir dann wieder und zogen dann doch die Kombis an. Es war das letzte Mal auf dieser Tour. Nachdem wir die finnische Grenze hinter uns hatten, ging es nur noch geradeaus. Kaum noch Kurven, geschweige denn Berge.

Gegen 19.00 Uhr kamen wir dann auf einem Campingplatz in der Nähe von Kaamanen an. Unsere Kombis hatten wir schon lange wieder ausgezogen, es war nur noch blauer Himmel zu sehen. Das hatte allerdings den Nachteil, daß der Aufenthalt außerhalb des Zeltes unmöglich war. Überall ausgehungerte Stechmücken, die ganz heiß auf unser Blut waren. Also rein ins Zelt und endlich mal wieder was richtig Gutes in den Magen.

 

13.Tag Samstag, 19.Juli ‘95 ( 310 km )

Abfahrt in aller Herrgottsfrühe um 11.45 Uhr nach obligatorischem Frühstück, mit unserem absolut ätzenden norwegischen Kaffe. Es wundert mich eigentlich, bei unseren Abfahrtszeiten, daß wir nirgends nachzahlen mußten weil wir uns nie rechtzeitig (normalerweise 11:00 Uhr) vom Acker machten.

Wieder gab es nur Straßen á la amerikanischen Highways. Nachdem wir in Inari, am gleichnamigen See, getankt und uns mit ein Paar Lebensmittel inklusive besserem Kaffee eingedeckt hatten, ging es über die 955 in Richtung Kittilä. Die Strecke sollte eigentlich fast nur aus Piste bestehen, doch erst nach 110km in einer knappen Stunde kam sie dann endlich. Ca. 50 km festgefahrene Sandpiste, versehen mit ganzen Batterien von Schlaglöchern.

In Kittilä auf die 79 Richtung Rovaniemi. Kurz vor Lohinvia fanden wir einen Campingplatz für nur 40 Finnmark. Der Platz sah eigentlich eher wie ein Rasen hinterm Haus aus, doch es gab eine Dusche und wir konnten das Zelt im Schatten aufbauen. Wieder war alles voller Stechmücken, also war wieder Kochen im Zelt angesagt. Nach der Dusche und der ersten Rasur nach 6 Tagen gab es heute Spaghetti Bolognese mit Emmentaler Reibekäse. Da wir uns den Magen ganz schön voll geschlagen hatten, verzichtenden wir auf unser zweites 5l Döschen Bier und tranken lieber unsere letzten vier kleinen Dosen.

 

14.Tag, Sonntag 30.Juli ‘95 ( 275 km )

Beim Zusammenpacken habe ich leider festgestellt, daß dem 5l Fäßchen die Piste gar nicht bekommen ist. Der Verschluß war undicht und das ganze schöne Bier lief aus. Da es noch ‘früh’ am Morgen war, mußten wir es leider entsorgen. Hätten wir es gestern festgestellt, wäre es bestimmt ein lustiger Abend geworden.

In Rovaniemi besuchten wir das Arktikum, ein Museum welches die Entwicklung der Samen durch die Zeit ausstellt, die Lebensweise, Kleidung, Haushalt etc., Fauna und Flora mit interessanten Darstellungen der Entstehung der Erde, im Speziellen des nördlichen Skandinaviens, und die Entstehung der heute abgebauten Rohstoffe.

Danach Weiterfahrt bis in die Nähe von Oulu. Hier haben wir Mike (ehemaliger Nokia-Support in Karlsruhe) in Helsinki erreicht und einen Termin für Dienstag ausgemacht. Ebenfalls haben wir nach einigen Tagen in Finnland heute erst festgestellt, daß Finnland eine Zeitverschiebung von +1h hat, ist uns aber erst aufgefallen als wir das ADAC Reiseblatt für Finnland durchblätterten.

Nachdem wir einen Campingplatz direkt am Busen der Natur, und zwar am botnischen Meerbusen gefunden und uns mal wieder in Deutschland gemeldet hatten, ging der Abend recht feucht (innerlich) zu Ende.

 

 

15.Tag, Montag 31. Juli ‘95 ( 517 km )

 

Heute haben wir uns eine recht lange Strecke vorgenommen um am Dienstag recht früh in Helsinki zu sein. Obwohl ich recht verkatert war, einen Schupfen hatte ich mir auch noch irgendwo eingefangen, ging’s los. Oh freue dich liebes Hinterteil.

Gegen 19.00 Uhr hatten wir aber uns Ziel erreicht: Parkano. Nachdem wir getankt und eingekauft hatten landeten wir auf einem super Campingplatz. Er war total leer mit tollen Duschen, WC’s, Küche, Essensraum und Grillplatz. Alle Hütten waren im Blockhausstil gebaut, und recht neu. Leider war der Zeltplatz etwas abschüssig, was uns aber beim Zubereiten unserer Steaks mit Nudeln und Käsesaucs ‘Alfonso’ in keinster Weise störte.

 

16.Tag, Dienstag 1.August ‘95 ( 257 km )

Wir waren sehr früh in Helsinki, so gegen 13:00 Uhr, und nach einem Telefongespräch mit Mike, wo wir uns treffen sollen (am Mc Donald), fuhren wir zu seiner Wohnung, bzw. Elternhaus, daß etwas abseits lag. Nach kurzem Palaver und Dusche ging es dann gegen 16:30 Uhr in die Stadt, vorsorglich per Bus. Wir waren zuerst mexikanisch Essen mit Bier Klasse III (entspricht bei uns einem Pils). Anschließend in noch in ein paar Kneipen, bis wir mit einem Kollegen und dessen zwei Bekannten in einer Kneipe landeten, die die Leningrad Cowboys eingerichtet hatten. Bei super Live-Musik sind wir dann bis zum Abwinken versackt. Gegen 3:00 Uhr sind wir dann mit einer Taxe zurück, um uns erst einmal gründlich auszuschlafen.

 

 

17.Tag, Mittwoch 2.August ‘95

 

Heute wollten wir eigentlich mit der Fähre nach Tallin (Estland) fahren, aber nach so einem Vorabend haben wir uns erst um 16:00 Uhr aus unserer Unterkunft getraut. Wir sind dann abends noch in die Innenstadt etwas essen, waren aber schon gegen 22:00 Uhr wieder zurück. Nach einem Alfred Hitchcock Film in englischer Sprache mit finnischen Untertiteln ging’s ab in die Koje.

 

 

18.Tag, Donnerstag 3.August ‘95 ( 189 km )

 

Heute waren wir wieder fit, und nach einem fast ausgefallenen Frühstück, unser Brot war schimmelig, verabschiedeten wir uns gegen Mittag von Mike und wollten in Richtung Turku, um mit der Nachtfähre nach Stockholm zu fahren (oder heißt das zu schiffen ?). Nach einer kleinen Irrfahrt durch Helsinki gelangten wir endlich auf die E18 nach Turku.

Kabinenplätze (die Überfahrt dauerte 10h) gab es leider nur noch in der 1. Klasse, doch die waren uns zu teuer, also Liegeplätze.

Nach einem kleinen Imbiss an Bord mußte meine, mir von Giovanni empfohlene, Wodka Red Flasche herhalten. Giovanni hat nur einen Schluck genommen, aber der Rest der Flasche verschaffte mir die nötige Bettschwere um irgendwo zwischen ein paar Liegesesseln wenigstens ein bißchen Schlaf zu kriegen.

 

19.Tag, Freitag 4.August ‘95

Kurz nach 7:00 Uhr schwedischer Zeit liefen wir in Stockholm ein und fuhren zu einer Jugendherberge (sie sind in Skandinavien nicht altersbeschränkt) die in einem ausgedienten Segelschiff, die AF Chapmann, untergebracht war. Das Schiff lag direkt gegenüber der Altstadt.

Da wir die Kabine erst um 15:00 Uhr beziehen konnten, ging es erst mal Richtung Altstadt um Geld zu tauschen. Die Banken hatten alle noch zu, es war noch vor 9:00 Uhr, kamen wir dann zu einer schon geöffneten Wechselstube die unsere Traveller Cheques tauschen würde und auch unsere langgesuchten Elch-Buttons hatte. Doch beim Griff in die Dokumenten Tasche waren keine Cheques mehr zu finden. Mit erheblich erhöhtem Blutdruck ging es zurück zum Schiff, aber auch nach durchsuchen unserer Koffer, Gepäckrollen und Tankrucksäcken war nichts zu finden. Die Cheques konnten nun eigentlich nur noch bei Mike in Helsinki sein, da ich dort die letzten Cheques getauscht hatte. Also zur Bank.

Eine sehr nette Bankangestellte half mir bei allen Problemen, und da ich Mike nicht erreichen konnte, wurde nach Ausfüllen von verschiedenen Vordrucken mit tausenden Fragen eine Verlustmeldung nach England gefaxt und gegen 14:00 Uhr konnte ich die neuen Cheques abholen.

Zwischenzeitlich hatte ich aber auch Geld mit der EC Karte in der Innenstadt geholt. Ein Glück, wir waren wieder flüssig.

Um 15:00 Uhr ging’s zurück zum Schiff, verbunden mit einer kleinen Sightseeing Tour entlang der Insel wo das Schiff vor Anker lag. Nach der Beschlagnahmung unserer Kabine war erst mal Ruhe angesagt, nach wenig Schlaf und viel Aufregung.

Abends ging es noch kurz in die Stadt, deren Einwohner scheinbar alle auf den Beinen waren. Live Musik im Park, kleine Märkte und viele Cafés, Bistros und Restaurants im Freien, alles umrahmt von Schiffen und Hafenanlagen geben dieser Stadt ein besonderes Flair. Zurück auf dem Schiff sollte es eigentlich zur Nachtruhe übergehen, doch ein Schweitzer Mitbewohner hat so lange und dermaßen laut geschnarcht bis wir ihn schließlich wecken mußten damit er sich auf die Seite dreht. Wäre das Schiff nicht aus Stahl sondern aus Holz gewesen, wir wären in dieser Nacht mit Sicherheit abgesoffen.

 

 

 

20.Tag, Samstag 5.August ‘95

Nach einem Frühstück an Bord ging es wieder in die Stadt, da wir unsere Tickets nach Gotland kaufen wollten. Wir fanden zwar das Büro, allerdings war es geschlossen. Jetzt auf zum Hardrock Café. Wir kamen an, und es war ... geschlossen. Allerdings mußten wir nur eine ¼ Stunde warten, dann ging der Run auf T-Shirts, Sweat-Shirts, Caps und Stickers los, wir selbstverständlich mitten drin. Nach einem kurzen ‘Trink’ ging es dann quer durch die Innenstadt zum Vasa-Museum. Ausgestellt ist dort ein für die damaligen Verhältnisse großes Kriegsschiff von 1628, daß noch im Hafenbecken bei seiner Jungfernfahrt mit gesetzten Segeln und wehenden Fahnen unterging. Als das Schiff 1961 geborgen wurde, konnte man mit allen Funden ein komplettes Museum einrichten. Alles in allem ein sehr interessantes und empfehlenswertes Museum.

 

 

21.Tag, Sonntag 6.August `95

 

Da wir ja noch nicht einmal die Abfahrtszeiten der Fähre nach Gotland wußten, fuhren wir im Vertrauen auf unser Glück direkt nach Nynäshamn, etwa 70 km von Stockholm. Am Fährhafen wurden wir zunächst vom Trubel der dort herrschte überrascht. Der ganze Hafen glich einem Ameisenhaufen. Beim Kauf der Tickets wurde uns leider gesagt, daß die bereits im Hafen liegende Fähre (Abfahrt 12:15 Uhr) schon voll sei, aber die nächste Fähre würde schon in einer Stunde gehen. Also zurück zu den Kontrollhäuschen, aber als wir die Schranken passiert hatten und uns als Erste auf einer der Wartelinien stellten, winkten uns das Personal doch noch auf die 12:15 Uhr Fähre.

Glück gehabt und Zeit gespart. Was soll ich sagen, wenn Engel reisen......

Die Fähre war dermaßen voll, daß man sich fast nirgends einigermaßen ruhig hinsetzen, geschweige denn schlafen konnte. Nach 5 Stunden Gekreische und Gejohle kamen wir endlich in Visby an.

Gleich auf den Campingplatz und Feierabend.

 

 

22.Tag, Montag 7.August ‘95

 

Nach einem Frühstück mit Bacon und Eiern ging es uns wieder rund um gut und wir beschlossen eine Rundfahrt um die ganze Insel zu machen.

Vorbei am‘Ayers Rock’ von Gotland, die Insel Stora Karlsö. Über die ganze Insel Gotland sind etwa 100 Kirchen verstreut, ein Überbleibsel aus der Zeit als Visby noch eine sehr reiche Stadt war.

Die ganze Insel war es am Ende zwar nicht, aber fast.

Dieses wunderbare Bild, mit einem absolut geilen Motorrad, entstand, wie auch der ‘gähnende Giovanni’, am südlichsten Punkt von Gotland und zwar am Aussichtspunkt Hoburgen

Bei der letzten Pause fiel uns mal wieder schlagartig ein, daß wir unbedingt Geld tauschen mußten. Wir konnten noch nicht einmal mehr den Campingplatz zahlen; also wieder zurück in die Stadt. Eine Bank hatte bestimmt nicht mehr auf um unsere Cheques zu tauschen, doch nachdem wir eine Bank mit einem EC-Automaten gefunden hatten, stellten wir uns gleich in die wartende Menschenschlange. Beim Lesen der Öffnungszeiten fiel uns auf wenn heute Montag wäre hätte die Bank sogar bis 17:00 Uhr auf. Schade, ....aber, .... heute ist ja Montag. Tja, wenn Engel reisen .......

 

 

23.Tag, Dienstag 8.August ‘95

 

Nachdem wir den Campingplatz geräumt hatten ging es zur Stadtbesichtigung von Visby. Die Motorräder stellten wir mit komplettem Gepäck auf einen Parkplatz und machten uns zu Fuß auf die Erkundung dieser im Mittelalter bis zum Entstehen der Hanse bedeutenden und sehr reichen Stadt.

Überall in der Stadt liefen Leute in mittelalterlichen Kostümen herum, und in verschiedenen Hinterhöfen wurde gezeigt wie das Handwerk damals ausgeübt wurde.

Wir sind dann, nach einer langen und ausgiebigen Stärkung, bis zum Hafen hinuntergegangen, doch leider mußten wir den ganzen Weg auch wieder zurück.

Um 17:00 Uhr ging es dann mit der Fähre nach Oskarshamn, wo wir gegen 22:30 Uhr auf dem Campingplatz ankamen.

 

 

24.Tag, 9.August ‘95 ( 400 km )

 

Heute ging es nun wirklich Richtung Heimat. An der Küste entlang bis nach Trelleborg.

Nach dem Kauf des Tickets ging es direkt zum Campingplatz. Nachdem wir das Zelt aufgebaut und uns in eine Kochorgie stürzten, kam der Campingplatz Sheriff um uns zu sagen, daß wir nicht auf Campingplatzgebiet, sondern unser Zelt auf dem Gelände des öffentlichen Strandes aufgeschlagen hatten. Also haben wir alles irgendwie wieder zusammengepackt und 200m weiter wieder aufgebaut. Danach hatten wir uns dann einen Jack D. (Freund von Johnny W.) verdient.

 

 

25.Tag, Donnerstag 10.August ‘95

 

Um 8:30 Uhr waren wir an der Fähre nach Travemünde. Das Schiff sollte zwar erst um 10:00 Uhr ablegen, doch wir kamen als Motorradfahrer als Erste in die Fähre und da das Frühstücksbüffet schon geöffnet hatte, konnten die Beißerchen um kurz nach 9:00 Uhr schon ihre Tätigkeit aufnehmen. Währenddessen stand der Großteil der PKW’s, LKW’s und Busse im Hafen und warteten um auf die Fähre zu fahren. Gegen 18:00 Uhr kamen wir dann auf dem Campingplatz in Ivendorf, Travemünde an. Nach gutem Essen und Bitburger vom Faß ging’s dann ab in den Sack.

 

 

26.Tag, Freitag 11.August ( 700 km )

 

Heute machten wir uns auf unsere letzte Etappe nach Landstuhl. Abfahrt war um 8:30 Uhr, und nach nur drei Pausen, bzw. Tankstopps, waren wir um 16:30 Uhr schon in Landstuhl. Nach und nach trudelte dann auch unser Empfangskomitee ein und wir haben dann erst einmal unsere Ankunft kräftig und ausgiebig gefeiert.

Die gesamte Fahrtstrecke betrug 7550 km und mit dem Wetter hatten wir diesmal sehr viel Glück. Finnland müßte man eigentlich in Flachland umtaufen, für Schweden zählen die 3 W’s: Wasser, Wind und Wald, und in Norwegen regnet es eh fast immer.

 

Alles im allem eine zwar recht lange Tour, wir haben aber auch sehr viel gesehen. Doch nur ein Bruchteil dieser Eindrücke konnte ich in Bildern festhalten, man muß einfach selbst mal hin.

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